
Oberfranken als Modellregion fĂĽr autonomes Fahren
Autonomes Fahren bietet insbesondere für ländliche Regionen große Chancen für die Mobilität der Zukunft. Welche Rahmenbedingungen dafür notwendig sind und wie Bayern von innovativen Mobilitätslösungen profitieren kann, stand nun im Mittelpunkt einer Expertenanhörung im Bayerischen Landtag. Mit dabei war auch Prof. Lucila Patiño Studencki von der Hochschule Coburg, die am Lucas-Cranach-Campus (LCC) im Studiengang „Autonomous Driving“ lehrt und ihre Perspektiven aus Forschung und Praxis in die Diskussion einbrachte.
Für den LCC unterstreicht die Anhörung die wachsende Bedeutung Oberfrankens als Innovationsstandort für intelligente Mobilitätskonzepte. Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen mit selbstfahrenden Shuttle-Projekten in der Region sieht der Campus großes Potenzial, Oberfranken künftig noch stärker als Modellregion für autonomes Fahren zu etablieren. Die bereits abgeschlossenen Shuttle-Projekte zeigen aus Sicht des LCC, dass die Region ideale Voraussetzungen bietet, um neue Mobilitätslösungen unter realen Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln.
Im Fokus der Diskussion standen insbesondere die praktischen Herausforderungen bei der Einführung autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr. „Der frühe Einsatz autonomer Fahrzeuge im ÖPNV ist technisch realistisch und gesellschaftlich sinnvoll, erfordert jedoch geeignete Infrastruktur, Erprobungsräume und einen innovationsfreundlichen Rechtsrahmen“, betonte Studencki während der Anhörung. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass technologische Fortschritte nur durch praktische Anwendungen erreicht werden können. „Viele Verkehrssituationen können technisch noch nicht vollständig beherrscht werden. Zwar müssen weiterhin robuste und zuverlässige Algorithmen entwickelt werden, doch um echte Fortschritte zu erzielen, sind reale Erfahrungen unerlässlich – daher die Bedeutung einer Modellregion“, so die Professorin.
Aus Sicht des Lucas-Cranach-Campus ist es entscheidend, neue Mobilitätsformen frühzeitig unter realen Bedingungen zu testen. „Wir können nicht 10 bis 15 Jahre warten, bis alle Probleme gelöst sind. Vielmehr müssen wir möglichst bald mit Erprobungen im realen Verkehr beginnen – gegebenenfalls unter klar definierten Einsatzbedingungen“, erklärte Studencki weiter. Gerade ländliche Regionen könnten dabei von flexibleren und bedarfsgerechten Mobilitätsangeboten profitieren.
„Autonome Bus- und Shuttle-Systeme können den Schienen- und Individualverkehr sinnvoll ergänzen und so zu einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Mobilität beitragen“, fasste Studencki zusammen. Für den LCC zeigt sich damit deutlich, dass autonome Mobilität nicht nur neue technologische Möglichkeiten eröffnet, sondern auch wichtige Impulse für Forschung, regionale Wertschöpfung und die Mobilität im ländlichen Raum setzen kann.
Der Studiengang „Autonomous Driving“ am Lucas-Cranach-Campus beschäftigt sich intensiv mit den technologischen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Fragen autonomer Mobilität. Durch die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen und Forschungspartnern werden innovative Ansätze praxisnah entwickelt und erprobt.